Das gesamte Bibliotheksteam reiste am 19. Januar nach Lausanne, um an einer exklusiven Vorführung des Dokumentarfilms The Librarians von Kim A. Snyder teilzunehmen. Der Film untersucht den spektakulären Anstieg der Zensur in den Vereinigten Staaten, insbesondere seit 2021, als der Gouverneur von Texas eine Liste mit 850 Büchern veröffentlichte, die sich mit Rassismus, Feminismus oder LGBTIQ+-Themen befassen und aus Schulbibliotheken entfernt werden sollten. Diese Initiative löste eine Welle der Zensur aus, die sich auf viele Bundesstaaten ausweitete und von extremistischen Gruppen angeheizt wurde, deren Vertreterinnen zunehmend in Schulbehörden präsent sind. Der Film begleitet den Kampf von Bibliothekaren, die unter Druck gesetzt werden, Bücher zu zensieren, den Zugang zu bestimmten Ideen zu beschränken oder sich den Erwartungen eines manchmal feindseligen, sogar gefährlichen Publikums zu beugen. Ihre Antwort? Widerstand leisten, standhaft bleiben, jedes Werk, jede Stimme verteidigen – oft ohne institutionelle Unterstützung und manchmal unter Gefahr für ihre persönliche Sicherheit, trotz Drohungen und der Gefahr einer Kriminalisierung.  

Ihr Kampf ist der Kampf für den freien Zugang zu Wissen, jenseits ideologischer, religiöser oder politischer Grenzen. Denn die Verteidigung der Lesefreiheit, der Vielfalt der Ideen und des universellen Rechts auf Information ist das Herzstück des Bibliothekswesens. Es sind grundlegende Werte, die von allen Menschen vertreten werden, die sich für diesen Beruf entscheiden – in den Vereinigten Staaten wie in der Schweiz – und die sich in den für die Ausübung dieses Berufs erforderlichen Kompetenzen und Fachkenntnissen widerspiegeln. 

Im Anschluss an die Filmvorführung fand eine Podiumsdiskussion mit verschiedenen Expertinnen und Experten sowie Bibliothekarinnen und Bibliothekaren aus dem Kanton Waadt statt. Die Frage, die alle beschäftigte, lautete: Könnten Schweizer Bibliothekarinnen und Bibliothekare mit einer solchen Situation hierzulande umgehen? Die Antwort der Diskussionsteilnehmerinnen – oder vielmehr das Fehlen einer eindeutigen und klaren Antwort – lässt bei den Informationsfachleuten leider berechtigte Zweifel aufkommen. Dieser Mangel an Rahmenbedingungen wirft auch Fragen zu den bestehenden oder noch zu schaffenden Mechanismen auf, mit denen verhindert werden soll, dass die amerikanische Ideologie weiter in die Schweiz vordringt. 

2. Februar 2026